Naturforschende Gesellschaft Bamberg e.V.

Von Barranquilla bis Bogotá: Eine naturkundliche Reise durch Kolumbien

Vortrag „Von Barranquilla bis Bogotá: Eine naturkundliche Reise durch Kolumbien“ von Dr. Carmen Fuertes Rodriguez und Stefan Hirsch, Bamberg, am 12.12.2025 im Stadtarchiv

Der Nationalpark Sumapaz südlich von Bogotá liegt zwischen 1.500 und 4.360 Metern hoch. Hier wächst der Frailejón (Espeletia grandiflora).

Der Vortrag schilderte eine vierwöchige Reise durch Kolumbien, die Mitte Dezember 2024 begann und von der Karibikküste über die Sierra Nevada de Santa Marta, die Serranía del Perijá, das Magdalena-Tal bis in die Anden rund um Bogotá führte. Kolumbien wurde dabei als eines der artenreichsten Länder der Erde vorgestellt: Rund zehn Prozent aller weltweit bekannten Arten kommen hier vor, darunter über 1.900 Vogelarten – mehr als in jedem anderen Land. Ein besonderer Schwerpunkt der Reise lag auf endemischen Arten, also solchen, die nur in geografisch abgegrenzten Gebieten vorkommen.

Die Reise begann an der Karibikküste im Mangroven- und Feuchtgebiet des Parque Isla de Salamanca, einem Ramsar-Gebiet von internationaler Bedeutung. Hier treffen Süß- und Salzwasser aufeinander und schaffen Lebensräume für hochspezialisierte Arten, darunter der stark gefährdete Blaubauchkolibri, dessen Weltbestand auf wenige Hundert Individuen geschätzt wird. Anschließend führte die Route in die Sierra Nevada de Santa Marta, das höchste Küstengebirge der Welt, dessen Gipfel nur 45 Kilometer vom Meer entfernt fast 5.800 Meter Höhe erreichen. Die enorme Höhendifferenz bedingt eine außergewöhnliche Vielfalt an Ökosystemen – vom tropischen Regenwald über Nebelwald und Páramo bis hin zu Schnee- und Gletscherregionen – und macht das Gebiet zu einem Hotspot des Endemismus.

Ein zentraler Teil des Vortrags widmete sich einer mehrtägigen Trekkingexpedition von San Javier zu den Lagunas de Sevilla auf 3.700 Metern Höhe. Ziel war die Beobachtung zweier extrem seltener Vogelarten: des Santa-Marta-Zaunkönigs und des Blaubart-Helmkolibris. Letzterer galt seit 1946 als verschollen und wurde erst 2015 wiederentdeckt; heute geht man von weniger als 250 adulten Individuen aus. Die anstrengende Wanderung führte zuerst durch landwirtschaftlich geprägte Zonen, dann Nebelwald und schließlich den Páramo. Der Páramo ist eine hochandine Landschaft mit charakteristischen Pflanzen, den Frailejones, aus der Gattung Espeletia. Der Erfolg der Expedition – die Beobachtung einer ganzen Familie von Blaubart-Helmkolibris – wurde als einer der Höhepunkte der gesamten Reise beschrieben.

Besonders hob Dr. Carmen Fuertes auch die Begegnung mit dem erst kürzlich wiederentdeckten Santa-Marta-Degenflügel auf der östlichen Seite der Sierra Nevada de Santa Marta hervor, eine der Vogelarten, die weltweit lange als „verloren“ galten. Nach der Wiederentdeckung 2022 war der Zugang zunächst nur Forschenden vorbehalten, und erst kurz vor der Reise wurde auch der Besuch durch Vogelbeobachter möglich.

In diesem Kontext stellte die Referentin die Naturschutzbemühungen der Organisation ProAves vor, die zahlreiche Schutzgebiete in Kolumbien betreibt. In Reservaten wie El Dorado, El Paujil oder Reinita Cielo Azul beobachtete die Exkursionsgruppe weitere endemische und stark gefährdete Arten, darunter der Santa-Marta-Sittich, der Blaulappen-Hoko und verschiedene Ameisenpittas. Der Vortrag zeigte dabei eindrücklich, wie eng der Schutz einzelner Arten mit dem Erhalt ihrer spezifischen Lebensräume verknüpft ist.

Die folgenden Reisestationen führten in die trockenen Lebensräume der Halbinsel La Guajira mit ihrer xerophytischen Vegetation, in die ehemals schwer zugängliche Serranía del Perijá an der Grenze zu Venezuela sowie in das Magdalena-Tal und das private Reservat Cañón del Río Claro.

Den Abschluss bildete die Region um Bogotá mit ihren artenreichen Anden- und Páramo-Landschaften, darunter der Nationalpark Sumapaz. Neben dort lebenden seltenen Kolibri- und Ameisenpitta-Arten wurde das Engagement der Familie Herrera gezeigt, die mit ihrem privaten Schutzgebiet Refugio del Tororoi aktiv zum Erhalt der Biodiversität, insbesondere des Cundinamarca Ameisenpittas, beiträgt.

Der Blaubart-Helmkolibri (Oxypogon cyanolaemus) galt seit 1946 als verschollen. Erst 2015 wurde er wiederentdeckt.
Der Perijá Sittich (Pyrrhura caeruleiceps) bekam dieses Jahr den Artstatus. Zuvor wurde er als Unterart des weiter verbreiteten Rotzügelsittichs (Pyrrhura picta) geführt.