Orchideen in den Wäldern Oberfrankens
Vortrag „Orchideen in den Wäldern Oberfrankens“ von Stephan Lang, Wonsees, am 16.12.2025 im Tambosi
Der Vortrag gab einen umfassenden Überblick über die heimischen Orchideen in den Wäldern Oberfrankens und verband floristische Kenntnisse mit Aspekten der Landschaftsentwicklung, Forstwirtschaft und des Klimawandels. Der Referent, seit über 20 Jahren in der Orchideenkartierung aktiv, stellte dar, dass es in Oberfranken rund 30 Orchideenarten gibt, deren Zuordnung zu Wald- oder Offenlandarten oft fließend ist. Entscheidend für ihr Vorkommen sind geologische Grundlagen, Waldtypen, Lichtverhältnisse und die historische wie aktuelle Nutzung der Wälder.
Oberfranken besitzt keine natürlichen Urwälder mehr, sondern eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Besonders artenreich sind die kalk- und dolomitreichen Gebiete der nördlichen Frankenalb, während die granitischen und schieferreichen Regionen des Fichtelgebirges und Frankenwaldes vergleichsweise orchideenarm sind. In den Kalkbuchenwäldern am Albtrauf, in lichten Niederwäldern, Dolomit-Kiefernwäldern sowie an Waldwegen und Schneisen finden sich die meisten Waldorchideen. Licht spielt dabei eine zentrale Rolle, da die meisten Arten offene oder halboffene Waldstrukturen benötigen.
Ein wichtiger Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Veränderungen der Wälder durch Klimawandel, Borkenkäferbefall und forstlichen Umbau. Kahlschläge und der Verlust moosreicher Fichtenwälder führen zum Verschwinden traditioneller Orchideenstandorte, schaffen aber zugleich neue, vorübergehend geeignete Lebensräume. Gleichzeitig verändern Stickstoffeinträge und zunehmende Vergrasung viele Standorte, was für Orchideen meist problematisch ist. Der Referent betonte, dass es sowohl Verlierer als auch Profiteure dieser Entwicklungen gibt – nicht nur bei Pflanzen, sondern auch bei Vögeln wie Schwarzspecht oder Sperlingskauz.
Systematisch wurden verschiedene Waldtypen vorgestellt: lichtdurchflutete Niederwälder mit früh blühenden Arten wie Manns-, Purpur- und Blassem Knabenkraut, Dolomit-Kiefernwälder mit spezialisierten Orchideen wie Fliegenragwurz, Waldhyazinthen und Rotem Waldvögelein sowie dunklere Buchen- und Mischwälder mit zahlreichen Ständelwurz-Arten. Besonders hervorgehoben wurden seltene und gefährdete Arten wie das Kriechende Netzblatt, die Korallenwurz oder das Kleine Zweiblatt, die stark unter Klimawandel und Strukturveränderungen leiden.
Ein Exkurs führte in die Hochmoor-Fichtenwälder des Fichtelgebirges, wo spezialisierte Arten wie das Kleine Zweiblatt und besondere Formen des Gefleckten Knabenkrauts vorkommen, deren taxonomische Einordnung noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen ist. Ebenso wurden Auwälder im Maintal behandelt, in denen überraschend neue Orchideenvorkommen entdeckt wurden, darunter die äußerst seltene Epipactis albensis mit dem derzeit größten bekannten Bestand Deutschlands nahe Bamberg.
Abschließend wurde deutlich, dass die Orchideenflora Oberfrankens trotz massiver Veränderungen eine hohe Dynamik zeigt. Viele Arten finden noch Nischen, andere gehen stark zurück. Die zukünftige Entwicklung hängt entscheidend von Waldmanagement, Klimaverlauf und gezielten Pflegemaßnahmen ab. Der Vortrag schloss mit dem Appell, diese sensiblen Lebensräume weiter zu erforschen, zu beobachten und zu schützen.
Grünliche Waldhyazinthe (links), Platanthera chlorantha, in den Wäldern auf der Albhochfläche der Fränkischen Schweiz noch weit verbreitet, aber durch Abholzung und Waldumbau gefährdet. Elbe-Ständelwurz (Mitte), Epipactis albensis, Maintal bei Bamberg, eine sehr seltene Orchidee, die in periodisch überfluteten Auwäldern von Flusstälern vorkommt. Violette Ständelwurz (rechts), Epipactis purpurata, die Orchidee des Jahres 2026. Sie ist in den Laubwäldern am Albtrauf der nördlichen Frankenalb noch gut verbreitet
