Niedliche Schlafmäuse und wo sie in Bamberg (und Oberfranken) zu finden sind
Vortrag von B.Sc.Biol. Viktoria Lissek, Bayreuth, am 10.04.2026 im Stadtarchiv
Viktoria Lissek vom Büro für ökologische Studien in Bayreuth berichtete über die Haselmaus, die in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit geworden war. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die bisherigen Verbreitungsdaten lückenhaft waren und viele ältere Nachweise fast ausschließlich aus Kastenmonitorings stammten. Deshalb suchte das Team gezielt nach Freinestern und ergänzte die Daten durch Kartierungen, Ergebnisse von Umsiedlungsprojekten sowie wissenschaftliche Arbeiten.
Die Referentin erklärte zunächst, dass die Haselmaus trotz ihres Namens keine echte Maus ist. Sie gehört zu den Hörnchenverwandten und damit zu den Schlafmäusen. In Bayern kommen neben der Haselmaus noch Siebenschläfer und Gartenschläfer vor. Der Baumschläfer existiert nur noch an einem einzelnen Standort. Die Haselmaus ist die kleinste dieser Arten und fällt durch ihr orangefarbenes Fell sowie ihre ausgeprägten Kletterfähigkeiten auf.
Im Jahresverlauf verbringt die Haselmaus einen großen Teil des Winters im Winterschlaf. Meist überwintert sie in Nestern am Boden, manchmal nutzt sie aber auch Nistkästen. Bei milden Temperaturen wacht sie häufiger auf, was viel Energie kostet. Im Frühjahr werden zunächst die Männchen aktiv, danach folgen die Weibchen. Es beginnt die Paarungszeit, und die Tiere bauen ihre kugelförmigen Nester. Tagsüber schlafen Haselmäuse oft in einem sogenannten Tagestorpor, bei dem sie Körpertemperatur und Aktivität stark herunterfahren. Im Sommer kümmern sich die Weibchen allein um die Jungen. Ein Wurf umfasst meist ein bis sechs Jungtiere, und in günstigen Jahren sind sogar zwei oder drei Würfe möglich. Im Herbst legen die Tiere Fettreserven an, wechseln ihr Fell und bauen spezielle Winternester.
Die Haselmaus ernährt sich vor allem von Früchten, Samen, Nüssen, Blüten und Insekten. Besonders wichtig sind Haselnüsse, an denen sich die Art gut nachweisen lässt: Sie öffnet die Nussschalen mit einem sauberen, kreisrunden Loch. Als Feinde nannte die Referentin unter anderem Waldkatzen und Hauskatzen. Vor allem Hauskatzen stellen in Siedlungsnähe eine große Gefahr dar.
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Verbreitung der Haselmaus in Oberfranken und speziell im Raum Bamberg. Historische Karten zeigten nur wenige Nachweise, etwa im Bruderwald oder an der Altenburg. Durch die neueren Untersuchungen konnte das Team jedoch deutlich mehr Vorkommen nachweisen. Besonders auffällig ist, dass sich die Haselmaus entlang von Waldrändern, Autobahnen, Bundesstraßen und sogar an ICE-Strecken ausbreitet. Die offenen, sonnigen Böschungen mit Sträuchern und Brombeerhecken bieten ihr ideale Bedingungen. Dadurch entstand rund um Bamberg eine regelrechte „Haselmaus-Autobahn“.
Die Referentin beschrieb außerdem, wie man Haselmäuse nachweisen kann. Besonders wichtig sind Freinester, die sich vor allem im Herbst und Winter finden lassen. Die Tiere bauen mehrere kugelförmige Nester aus Gras, Blättern und weichen Pflanzenfasern. Häufig liegen diese in Brombeerhecken, Schlehen, Hartriegeln oder jungen Gehölzen. Neben Freinestern nutzen Haselmäuse auch spezielle Niströhren und Nistkästen. Diese sollten möglichst klein und eng gebaut sein, damit größere Mäusearten sie nicht übernehmen. Siebenschläfer konkurrieren besonders stark mit der Haselmaus um geeignete Höhlen und Kästen.
Zum Schluss zeigte die Referentin verschiedene Nesttypen und erläuterte, wie sich Haselmausnester von denen anderer Arten unterscheiden. Sie verglich sie mit Nestern von Zaunkönig, Zilpzalp und Zwergmaus. Haselmausnester sind besonders sorgfältig gewoben, innen weich ausgepolstert und meist gut in dornige Sträucher eingebunden. In manchen Fällen nutzt die Haselmaus sogar ungewöhnliche Lebensräume wie Schilfbestände. Dort konnte das Team nachweisen, dass die Tiere eigene Nester in Seggen und Schilf bauen.
