Naturforschende Gesellschaft Bamberg e.V.

Neues aus dem Steigerwald - der Nationalpark besitzt eine brennende Aktualität

Vortrag von Ulla Reck, Ebrach, Freundeskreis Nationalpark Steigerwald, am 07.04.2026 im Tambosi

Im Naturwaldreservat Waldhaus dürfen die Bäume alt und dick werden und geschützten Arten, wie Mopsfledermaus und Halsbandschnäpper, Wohnraum und Nahrung bieten - Foto: Ulla Reck

Der Vortrag begann mit einer grundsätzlichen Einordnung der Erde als empfindliches System mit begrenzten Ressourcen. Die Referentin machte deutlich, dass Ökosysteme keine Luxusgüter sind, sondern die Grundlage menschlichen Lebens bilden, indem sie saubere Luft, Wasser, Nahrung und fruchtbare Böden bereitstellen. Vor diesem Hintergrund stellte sie internationale und nationale Ziele zum Schutz der Biodiversität vor, etwa die Ausweisung von Schutzgebieten und Wildnisflächen. Sie betonte jedoch, dass Deutschland und insbesondere Bayern diese Ziele bislang nur unzureichend anstreben.

Im Zentrum des Vortrags stand der Steigerwald mit seinen wertvollen Buchenmischwäldern. Verschiedene Studien hätten wiederholt gezeigt, dass dieses Gebiet nationalparkwürdig sei. Dennoch habe die Politik bislang keinen Nationalpark eingerichtet, obwohl die Zustimmung in der Bevölkerung gewachsen sei. Stattdessen bleibe der Wald größtenteils wirtschaftlicher Nutzung unterworfen.

Anhand konkreter Beispiele aus Naturwaldreservaten zeigte die Referentin, wie sich Wälder ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Stürme, abgestorbene Bäume und Totholz seien keine Katastrophen, sondern wichtige Bestandteile natürlicher Prozesse. Sie schaffen neue Lebensräume, fördern die Artenvielfalt und ermöglichen die natürliche Verjüngung des Waldes. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten – von Fledermäusen über Spechte bis hin zu seltenen Pilzen – seien auf solche Strukturen angewiesen.

Dem stellte sie die Praxis der modernen Forstwirtschaft gegenüber. Maschinen, Rückegassen und gezielte Eingriffe veränderten den Wald stark, verdichteten die Böden und beeinträchtigten Wasserhaushalt und Mikroklima. Das Auflichten für „klimafitte“ Baumarten, die gezielte Förderung einzelner Baumarten sowie das Entfernen der Bäume, bevor sie alt werden, verhinderten die Entstehung naturnaher Wälder. Zudem kritisierte sie, dass selbst ökologisch wertvolle oder geschädigte Bäume häufig gefällt würden, obwohl ihr wirtschaftlicher Nutzen gering sei.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Auswirkungen des Klimawandels. Die Referentin erklärte, dass Wälder zunehmend unter Hitze und Trockenheit leiden. Gleichzeitig verstärke die intensive Bewirtschaftung diese Probleme, etwa durch Auflichtung und Zerschneidung der Bestände und Entwässerung durch bodenverdichtete Maschinenwege. Alte, geschlossene Wälder seien dagegen resilienter, widerstandsfähiger, speicherten mehr Wasser und Kohlenstoff und kühlten ihre Umgebung deutlich stärker. Sie plädierte daher dafür, Wirtschaftswälder schonend zu bewirtschaften und die wenigen verbliebenen alten und naturnahen Laubmischwälder aus der Nutzung zu nehmen, um ihre ökologischen Funktionen zu optimieren. Wälder haben viel mehr zu bieten als Holz. Ihre Ökosystemleistungen haben einen großen Wert für unsere Gesellschaft.

Das sogenannte Trittsteinkonzept des Forstbetriebs Ebrach, bei dem kleine Altholzinseln im Wirtschaftswald erhalten bleiben, sei ein fortschrittliches Konzept für den Wirtschaftswald, der Wald um die meist sehr kleinen Trittsteine aber nutzungsbedingt stark verändert. Der Zweck des Trittsteinkonzeptes sei es auch nur zu vernetzen, also einzelnen Arten in der jung bleibenden Holznutzungsfläche – aktuell 97 Prozent der deutschen Waldfläche – „Trittsteine“ zum Wandern zwischen großflächigen Naturwäldern zu bieten. Das Trittsteinkonzept kann weder in seiner Wirkung auf die Natur noch für die Region einen Nationalpark ersetzen.

Der Zweck von Nationalparken ist der Erhalt natürlicher Prozesse und dafür braucht es Nutzungsfreiheit sowie viel Raum und Zeit. Durch vom Menschen ungelenkte Prozesse können wir beobachten, wie der Wald sich selbst hilft und an Veränderungen anpasst. Auch für den Schutz der Biodiversität sind Waldnationalparke wichtig, denn sie erhalten die waldtypische Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Genen. Seltene Arten können sich wieder vermehren und von hier ausbreiten. Für den Klimaschutz wäre der Nationalpark Steigerwald eine gute Sofortmaßnahme, denn Buchenmischwälder sind in den ersten 50 Jahren nach Aus-der-Nutzungnahme große Kohlenstoffsenken.

Abschließend warb die Referentin dafür, einen Teil der einzigartigen Buchenwälder des Steigerwalds im Staatswald konsequent als Nationalpark zu schützen und deren natürliche Entwicklung zuzulassen. Angesichts von Klimakrise und Artensterben sei dies dringend notwendig. Da dort viele Mischbaumarten wachsen, sei ein Waldumbau unnötig. Sie betonte, dass die ökologischen Leistungen der Wälder langfristig weit wertvoller seien als kurzfristige Gewinne aus der Holznutzung.

Kleine Altholzinseln können den Nationalpark nicht ersetzen: auf dem Großteil der staatlichen Forstbetriebsfläche Ebrach gibt es immense Schäden am Ökosystem Wald. hier Einschlag in der Abteilung Steinknock - Foto: Ulla Reck