Naturforschende Gesellschaft Bamberg e.V.

Lichtverschmutzung und Fledermäuse: Neue Erkenntnisse und Lösungsansätze

Vortrag von Prof. Dr. Christian C. Voigt, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin, am 25.09.2026 in der Regnitzklause, Schwimmverein Bamberg

Abbildung 1: Zwei ländliche Siedlungen im ursprünglichen Zustand (links; ohne künstliche Beleuchtung bei Nacht) und mit Beleuchtung bei Nacht (rechts). Üblicherweise werden Straßen in Ortschaften beleuchtet. Diese können die Verbindungswege von Fledermauskolonien zu ihren Jagdlebensräumen abschneiden. Zudem werden historische Gebäude sowie Sportanlagen mit Beleuchtung versehen, was sowohl die Grundhelligkeit in der Ortschaft durch Streulicht erhöht als auch abträglich für gebäudebewohnende Fledermäuse ist (C) Anke Geyer IZW (Revised EUROBATS publication series #8).

Im Vortrag „Lichtverschmutzung und Fledermäuse: Neue Erkenntnisse und Lösungsansätze“ beschäftigte sich Prof. Dr. Christian Voigt mit den Auswirkungen künstlicher Beleuchtung auf Fledermäuse und zeigte Möglichkeiten auf, wie sich Lichtverschmutzung reduzieren lässt. Zu Beginn betonte er die besondere Bedeutung der Dunkelheit und des natürlichen Sternenhimmels. Anhand persönlicher Erfahrungen verdeutlichte er, wie faszinierend ein klarer Nachthimmel sein kann und wie stark künstliche Beleuchtung dieses Erlebnis inzwischen einschränkt. Gleichzeitig verwies er darauf, dass Deutschland aufgrund des gesetzlichen Schutzes von Fledermäusen und internationaler Vereinbarungen bei Beleuchtungsvorhaben im Außenbereich besondere Rücksicht auf diese Tiere nehmen müsse.

Voigt erklärte, dass sich Fledermäuse im Laufe ihrer Evolution an die Dunkelheit angepasst haben. Künstliches Licht bei Nacht stelle für sie deshalb einen neuartigen Stressfaktor dar. Während Menschen als tagaktive Primaten Licht mit Sicherheit, Orientierung und Fortschritt verbinden, verändere künstliche Beleuchtung die natürlichen Bedingungen für nachtaktive Tiere. Die Lichtverschmutzung habe in vielen Regionen Europas bereits stark zugenommen. Besonders deutlich zeige sich dies in Städten und Ballungsräumen, aber auch ländliche Gebiete würden durch Straßenbeleuchtung, angestrahlte Gebäude und Flutlichtanlagen zunehmend heller (Abbildung 1). Als besonders eindrucksvolles Beispiel nannte Voigt den Anbau von Drachenfrüchten in Vietnam, bei dem große Flächen mit LED-Lampen beleuchtet werden, um den Ernteertrag zu steigern. Er machte jedoch deutlich, dass auch Europa und Deutschland mit ähnlichen Problemen zum Beispiel in Gewächshauskulturen konfrontiert sind.

Für Fledermäuse stelle künstliches Licht vor allem deshalb ein Problem dar, weil es ihr Verhalten verändere und ihre natürlichen Bewegungsräume einschränke. Voigt nannte den hohen Prädationsdruck als einen wichtigen Grund für die Nachtaktivität der Fledermäuse. Tiere, die sich in der Dämmerung oder bei Tageslicht bewegen, sind stärker der Gefahr durch Greifvögel ausgesetzt. Außerdem können sich Fledermäuse bei direkter Sonneneinstrahlung überhitzen. Je nach Art unterscheiden sich die Tiere deutlich in ihrer Lichtempfindlichkeit. Während beispielsweise Abendsegler und einige Pipistrellen auch in beleuchteten Bereichen jagen und dort von künstlichem Licht angelockte Insekten erbeuten, meiden andere Arten das Licht fast vollständig. Vor allem langsam fliegende Arten wie Mausohren und Langohren suchen den Schutz dunkler Vegetationsbereiche.

Besonders problematisch, führte der Referent aus, sind künstliche Beleuchtung in der Nähe von Quartieren. Fledermäuse müssen beim Ausflug aus Kirchen, Dachböden oder anderen Quartieren vorhersehbare Wege zurücklegen und sind dort für Beutegreifer besonders leicht zu erkennen. Beleuchtete Quartiere oder beleuchtete Flugwege können deshalb dazu führen, dass die Tiere später ausfliegen, ihre Jagdgebiete schlechter erreichen oder Quartiere sogar ganz aufgeben. Beleuchtete Straßen könnten beispielsweise für Wasserfledermäuse eine unüberwindbare Lichtschneise darstellen. Auch Kolonien in Kirchen können schrumpfen, wenn die Gebäude rundum angestrahlt werden.

Voigt stellte im Folgenden die große Mobilität von Fledermäusen heraus. Mithilfe moderner Sender können Forschende nachverfolgen, dass einzelne Tiere sehr weite Strecken zurücklegen. Fledermäuse können beispielsweise zwischen verschiedenen Regionen Deutschlands oder sogar zwischen Lettland und Deutschland wandern. Dadurch wird deutlich, dass Lichtverschmutzung nicht nur lokal wirkt, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf die Wander- und Lebensräume der Tiere hat.

In einem Forschungsprojekt untersuchte Voigt gemeinsam mit seinem Team die Flugwege von Großen Mausohren an mehreren Standorten in Deutschland. Dafür befestigten die Forschenden kleine GPS-Sender an den Tieren und analysierten anschließend ihre Bewegungsmuster. Die Untersuchungen zeigten, dass die Fledermäuse Bereiche in der Nähe von Laternen deutlich seltener nutzen. Stattdessen bevorzugen sie dunkle Bereiche, Gewässer und Vegetation und meiden stark versiegelte Flächen. Daraus leitet Voigt die Bedeutung sogenannter Dunkelkorridore ab. Solche Korridore sollten Fledermäusen ermöglichen, von ihren Quartieren zu ihren Jagdgebieten zu gelangen, ohne beleuchtete Bereiche überqueren zu müssen.

Anschließend stellte der Referent verschiedene Möglichkeiten vor, mit denen sich die Lichtverschmutzung verringern ließe (Abbildung 2). An erster Stelle steht für ihn die grundsätzliche Frage, ob eine Beleuchtung überhaupt notwendig ist. Wenn Licht benötigt wird, sollte man es gezielt auf die tatsächlich benötigte Fläche richten, die Lichtmasten möglichst niedrig halten und die Beleuchtungsintensität reduzieren. Außerdem spielt die Lichtfarbe eine wichtige Rolle. Kaltweißes Licht enthält einen hohen Anteil kurzwelliger Strahlung und lockt dadurch viele Insekten an. Wärmere, langwelligere Lichtfarben wie Orange oder Bernstein ziehen weniger Insekten an und werden von Fledermäusen besser toleriert.

Eine weitere Möglichkeit bestehe darin, die Beleuchtung zeitlich zu begrenzen. Straßen, Wege oder andere Bereiche müssten nicht die gesamte Nacht über beleuchtet werden. Gemeinden könnten das Licht beispielsweise in den späten Abendstunden ausschalten und erst am frühen Morgen wieder einschalten. Auch bewegungsgesteuerte Beleuchtung könnte die Beleuchtungsdauer reduzieren. Dabei schalten sich Lampen nur dann ein, wenn sich tatsächlich Personen oder Fahrzeuge nähern. Voigt wies jedoch darauf hin, dass auch diese Lösung nicht alle Probleme beseitige. Untersuchungen an einem beleuchteten Fahrradweg zeigen, dass Fledermäuse beleuchtete Bereiche weiterhin meiden, selbst wenn das Licht nur durch Bewegungsmelder aktiviert wird. Deshalb schlägt das Forschungsteam eine Kombination aus Bewegungssteuerung und einer vollständigen Abschaltung während der Nachtmitte vor.

Auch die Wahl der Lichtfarbe untersuchte das Forschungsteam. In ländlichen Bereichen testete es bernsteinfarbenes Licht, das einen geringeren Anteil kurzwelliger Strahlung enthält. Diese Beleuchtung verringert das Meidungsverhalten bestimmter Fledermausarten und erweist sich für einige Arten als vorteilhaft. Sehr lichtempfindliche Arten wie Langohren und Mausohren meiden jedoch auch bernsteinfarbenes Licht. Deshalb könne auch eine als besonders fledermausfreundlich geltende Lichtfarbe die Dunkelheit nicht vollständig ersetzen.

Zum Abschluss fasste Voigt die wichtigsten Maßnahmen zusammen. Gemeinden und andere Verantwortliche sollten zunächst prüfen, ob eine Beleuchtung tatsächlich notwendig ist. Wo Licht unvermeidbar ist, sollten sie die Leuchten gezielt ausrichten, Streulicht verhindern, die Lichtintensität reduzieren, niedrige Masten einsetzen und möglichst warme beziehungsweise bernsteinfarbene Lichtquellen verwenden. Zusätzlich können sie die Beleuchtungszeiten verkürzen, Bewegungsmelder einsetzen oder unnötige Lampen vollständig abbauen. Besonders bei Kirchen, Sportplätzen und anderen Gebäuden sollten die Verantwortlichen darauf achten, wichtige Fledermausquartiere und Flugwege dunkel zu halten.

Voigt betonte, dass der Schutz der Fledermäuse weit über den Schutz einer einzelnen Tiergruppe hinausgehe. Fledermäuse dienen als wichtige Vertreter der nachtaktiven Tierwelt und machen sichtbar, wie stark Menschen die natürliche Dunkelheit verändert haben. Wer die Nacht und ihre Bewohner stärker berücksichtige, schütze gleichzeitig Insekten, Lebensräume und andere nachtaktive Arten. Voigt verband den Fledermausschutz mit einem umfassenderen Naturschutz und hob hervor, dass auch Menschen selbst von einer dunkleren Nacht profitierten. Er plädierte dafür, die Nacht wieder stärker als natürlichen Lebensraum wahrzunehmen und künstliche Beleuchtung gezielt und sparsam einzusetzen.

Abbildung 2: Vom schlechten Beispiel (Kugelleuchte mit unfokussiertem hellem Licht in alle Richtungen) zum Idealzustand (Dunkelheit). Bereits geringfügige Maßnahmen wie Blenden oder eine warme Lichtfarbe können für Fledermäuse hilfreich sein (C) Anke Geyer IZW (Revised EUROBATS publication series #8)