Naturforschende Gesellschaft Bamberg e.V.

Das Naturschutzgebiet Föhrenbuck im Süden von Nürnberg

Vortrag „Das Naturschutzgebiet Föhrenbuck im Süden von Nürnberg“ von Dieter Theisinger, Nürnberg, am 15.07.2025 im Tambosi

Das Naturschutzgebiet Föhrenbuck im September 2019 mit Sandflächen und naturnahen Teichen – Foto: Dieter Theisinger

Der Vortrag von Dieter Theisinger befasste sich mit einem kleinen, aber ökologisch bedeutsamen Naturschutzgebiet im Süden Nürnbergs, dem NSG Föhrenbuck. Dieses Gebiet entstand ursprünglich in den 1970er Jahren durch den Sandabbau für den nahegelegenen Nürnberger Hafen. Aus der damaligen Sandgrube entwickelte sich im Laufe der Jahre ein vielfältiges Biotop, das heute offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist – mit einer Größe von etwas über 20 Hektar.

Trotz seiner geringen Fläche zeichnet sich das Gebiet durch eine große Vielfalt an Lebensräumen aus, darunter trockene Sandflächen, Feuchtwiesen, Weiher und Übergangsbereiche. Im Vergleich zu anderen Naturschutzgebieten der Region, etwa dem Hainberg, ist der Föhrenbuck besonders abwechslungsreich. Alte Karten zeigen, wie sich die Umgebung im Laufe der Jahrzehnte von einer fast durchgängigen Waldfläche zu einem urban geprägten Raum mit nur noch wenigen naturnahen Flächen entwickelt hat. Diese Entwicklung hebt die Bedeutung des Föhrenbucks als Rückzugsraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten noch stärker hervor.

Der Vortrag erläuterte, wie das Gebiet 2014 durch die Stadt Nürnberg kartiert und ein Pflegekonzept erstellt wurde. Besonders bemerkenswert ist die Teilung des NSG in zwei unterschiedliche Bereiche: ein eher trockenerer, sandiger Teil im Osten und ein feuchterer Bereich mit Weihern im Westen. Die offenen Sandflächen beherbergen zahlreiche für diese Standorte typische Pflanzenarten, darunter Frühlings-Hungerblümchen, Frühlings-Spark, Kugelköpfiger Spitzwegerich und Sand-Strohblumen. Besonders erwähnenswert ist der Nachweis der Schwedischen Schaumkresse, möglicherweise ein Erstfund für Deutschland, der allerdings nicht dokumentiert werden konnte.

Im Fokus stehen auch zahlreiche seltene und gefährdete Tierarten, insbesondere Wildbienen und ihre Parasiten. In Sandwänden des Gebiets konnten bemerkenswerte Arten wie die Zweizähnige Sandbiene und die Riesen-Blutbiene nachgewiesen werden. Darüber hinaus leben dort zahlreiche Heuschrecken, Käfer, Spinnen und Libellenarten. Einige davon sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Auf den feuchteren Flächen wachsen Pflanzen wie der Sumpf-Bärlapp und der Rundblättrige Sonnentau – Indikatoren für nährstoffarme, saure Standorte. Es gibt auch Hinweise auf früher vorhandene Moorrelikte. Daneben wurden Arten nachgewiesen, die vermutlich durch menschliche Einflussnahme eingebracht wurden, etwa der Südmährische Mohn, dessen Herkunft noch unklar ist.

Auch bei den Gewässern zeigt sich Vielfalt: Neben natürlichen Arten treten eingebürgerte oder gepflanzte Arten wie Weiße Seerose, Krebsschere, große Bestände des seltenen Pillenfarns und mit dem Verkannten Wasserschlauch eine fleischfressende Pflanze auf, die an nährstoffarme Bedingungen angepasst ist. Amphibien wie die Kreuzkröte finden dort geeignete Fortpflanzungsbedingungen, sofern hinreichend flache Tümpel vorhanden sind – ein Punkt, an dem noch Nachbesserungsbedarf besteht.

Der Vortrag endete mit einem kurzen Blick auf die angrenzende Deponiefläche, die sich derzeit noch in der Entwicklung befindet. Insgesamt verdeutlichte Dieter Theisinger anschaulich die Bedeutung des NSG Föhrenbuck als Refugium für bedrohte Arten und als Beispiel für die dynamischen Entwicklungen in ehemaligen Industrie- und Abbauflächen. Sein Vortrag verband historische Entwicklungen, botanische und zoologische Besonderheiten sowie aktuelle Naturschutzaspekte auf informative und unterhaltsame Weise.

Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) – Foto: Leo Weltner
Riesen-Blutbiene (Sphecodes albilabris) – Det.: Klaus Mandery – Foto: Leo Weltner