Ecuador - Land der Orchideen
Vortrag von Elmar Domeyer, Wilhermsdorf, am 04.09.2026 in der Regnitzklause, Schwimmverein Bamberg
Elmar Domeyer berichtete über eine Reise durch Ecuador, die vom 2. bis zum 23. Januar 2020 stattfand. Die Reisegruppe, die aus vier Personen bestand, flog mit der niederländischen Fluggesellschaft KLM von Nürnberg über Amsterdam nach Guayaquil. Dort empfing sie der Reiseführer Herr Hugo Medina, ein weltweit anerkannter Orchideenspezialist, der die Gruppe während der gesamten Reise begleitet hatte. Herr Medina ist Mitarbeiter der ecuadorianischen Gärtnerei Ecuagenera welche die Reise veranstaltete. Von Guayaquil aus führte die Route zunächst an die Pazifikküste, anschließend durch die Anden und schließlich bis in das Amazonas-Tiefland im Osten Ecuadors.
An der Pazifikküste lernte die Gruppe zunächst eine sehr trockene Landschaft kennen. Besonders im Süden Ecuadors fällt während der Trockenzeit kaum Regen. Der Referent erklärte, dass vor allem der kalte Humboldtstrom für das trockene Klima verantwortlich sei. Er führt kaltes Wasser aus Richtung Antarktis entlang der südamerikanischen Westküste nach Norden. Dadurch kühlen sich auch die darüberliegenden Luftmassen ab, sodass sie nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen können. An den Hängen der Anden steigen die Luftmassen dagegen auf, kühlen dabei ab und bilden Wolken und Nebel.
In Olón an der Pazifikküste verbrachte die Gruppe mehrere Tage und suchte dort vor allem nach Orchideen. Ein besonderes Ziel war die Cattleya maxima, die in den trockenen Tälern der Region vorkommt. Die Gruppe beobachtete außerdem verschiedene Geier, die den flachen Rio Ayampe zum Baden und zur Abkühlung nutzten. Elmar Domeyer stellte dabei die Unterschiede zwischen Neuwelt- und Altweltgeiern heraus. Auch Kakteen, Bromelien und weitere Pflanzen passten sich an die trockenen Bedingungen an. Orchideen der Gattung Psychopsis fallen durch ihre schmetterlingsähnlichen Blüten auf. Sie waren es, die die Geschichte der europäischen Orchideenbegeisterung einleiteten.
Auf dem weiteren Weg verließ die Gruppe beim Fischerort Puerto López die Pazifikküste und gelangte in feuchtere Höhenlagen. Anschließend entdeckte sie mit Notylia aromatica eine Orchidee, die sich durch besondere Anpassungen an trockene Lebensräume auszeichnet. Mit zunehmender Höhe nimmt die Luftfeuchtigkeit zu und es entsteht Nebelwald. Dort können feuchtigkeitsliebende Orchideen wie Oncidium nebulosum und die kleine Erycina pusilla wachsen. Die Gruppe besuchte außerdem eine Farm mit zahlreichen tropischen Früchten und fand weitere Orchideen an Bäumen und Ästen.
Mit dem weiteren Aufstieg veränderte sich die Landschaft deutlich. Auf etwa 1.800 Metern herrscht ein feuchteres und kühleres Klima. Die Gruppe entdeckte hier zahlreiche Orchideenarten, meist aus der Gattung Epidendrum und Maxillaria. Der Vortragende erläuterte immer wieder die Herkunft der wissenschaftlichen Namen sowie besondere Merkmale der Pflanzen. Auch andere Pflanzenfamilien wie Passionsblumen und Nachtschattengewächse fanden Erwähnung. Schließlich überquerte die Gruppe bei etwa 4.000 Metern den westlichen Andenhauptkamm. In dieser Höhe ist die Vegetation karg, und Orchideen kommen nur noch selten vor.
Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch der Kraterlagune Quilotoa. Der See entstand vermutlich nach einem Vulkanausbruch im Jahr 1280 und liegt in einer rund 3.900 Meter hohen Vulkanlandschaft. Danach führte die Reise weiter über die andine Hochebene. Die Gruppe sah unter anderem den Vulkan Chimborazo, der mit 6.263 Metern der höchste Berg Ecuadors ist. Anschließend erreichte sie die Ostseite der Anden und den aktiven Vulkan Tungurahua. In dessen Umgebung erkundete die Gruppe verschiedene Höhenstufen und fand erneut zahlreiche Orchideen. Dabei zeigte sich auch der Einfluss des Menschen auf die Landschaft: Große Teile der ursprünglichen Baumvegetation waren Weideflächen gewichen. Einzelne verbliebene Bäume boten jedoch zahlreichen Orchideen und anderen Epiphyten geeignete Lebensräume.
In Baños, einer bekannten ecuadorianischen Bäder- und Wallfahrtsstadt am Fuß des Vulkans Tungurahua, setzte die Gruppe ihre Orchideensuche fort. Sie erkundete zunächst trockene Gebiete am Rio Pastaza und fand dort unter anderem Epidendrum agoyanense und verschiedene Phragmipedium-Arten. Besonders interessant war Phragmipedium lindenii, dessen seitliche Blütenblätter eine ungewöhnliche Länge von mehr als 40 Zentimetern erreichen. Anschließend führte die Suche in höhere, feuchtere Gebiete. Dort entdeckte die Gruppe weitere Orchideen wie Sobralia setigera, Sobralia rosea, Oncidium cultratum und verschiedene Maxillaria-Arten. Der Vortragende machte dabei deutlich, wie stark sich die Pflanzen an unterschiedliche Höhenlagen und Feuchtigkeitsbedingungen angepasst haben.
Am Rio Pastaza beobachtete die Gruppe weitere bemerkenswerte Orchideen. Besonders deutlich wurde der Unterschied zwischen Arten, die trockene Standorte bevorzugen, und solchen, die unmittelbar am Wasser oder sogar zeitweise im Fluss wachsen. Im flussbegleitenden Wald entdeckte die Gruppe außerdem Paphinia neudeckeri. Später stieß sie auf die seltene, erst wenige Jahre zuvor beschriebene Orchidee Selenipedium dodsonii aus der Gruppe der Frauenschuhorchideen. Neben den Pflanzen begegnete die Gruppe auch verschiedenen Tieren, darunter der giftigen Wald-Grubenotter und zahlreichen Insekten. Auf dem weiteren Weg Richtung Amazonasbecken besuchte sie einen Straßenstand mit Produkten der traditionellen Medizin, wie „Drachenblut“, dem Wundsaft einer Baumart, und Guayuza Tee.
Im Amazonas-Tiefland erreichte die Reise schließlich den Rio Napo. Von El Coca aus fuhr die Gruppe mit einem Schnellboot flussabwärts in Richtung des Wildtierreservats Cuyabeno. Die Landschaft unterschied sich stark von den zuvor durchquerten Gebieten. Das Regenwaldgebiet erhält jährlich zwischen 3.000 und 4.000 Millimeter Niederschlag. Während der Regenzeit werden große Teile des Waldes überschwemmt, während viele Gewässer in der Trockenzeit deutlich kleiner werden oder austrocknen. Die Gruppe beobachtete unterwegs Sandbänke, Flussufer und Öltransporte und erreichte schließlich Nuevo Rocafuerte. Von dort aus setzte sie die Reise mit einem Kanu fort und erreichte nach etwa 25 Kilometern den östlichsten Punkt Ecuadors.
In der Umgebung der Yacu Warmi Lodge am Rio Cocaya erlebte die Gruppe den Amazonas-Regenwald besonders intensiv. Eine besondere Attraktion waren die dort vorkommenden Flussdelfine. Die Reisenden konnten einen Delfin aus der Nähe beobachten und sogar mit Fisch füttern. Danach erkundeten sie den Urwald bei einer Nachtwanderung. Dabei entdeckten sie zahlreiche Insekten, Spinnen, Reptilien und Frösche. Besonders beeindruckend waren die unterschiedlichen Tarnstrategien der Tiere, durch die sie sich kaum von ihrer Umgebung unterscheiden.
Am Tag darauf erkundete die Gruppe den Regenwald bei Tageslicht und unternahm weitere Kanufahrten. Sie fuhr auf dem Rio Lagartococha, der zugleich die Grenze zwischen Ecuador und Peru bildet. Das dunkle Wasser der dortigen Schwarzwasserflüsse entsteht durch gelöste Huminsäuren aus verrottendem Pflanzenmaterial. Während der Fahrt beobachtete die Gruppe unter anderem Hoatzins, Gelbbrustaras, Kaimane und weitere Tiere. Auch verschiedene Orchideen wuchsen an den Bäumen entlang der Lagunen. Auf einer weiteren Wanderung widmete sich die Gruppe der beeindruckenden Pflanzenwelt des Regenwaldes. Sie sah Bäume mit Stelzwurzeln sowie mächtige Kapokbäume, die bis zu 75 Meter hoch werden können. Die Brettwurzeln der großen Bäume verleihen ihnen auf den flachgründigen Böden zusätzliche Standfestigkeit. Außerdem entdeckte man verschiedene Anolis, Schnecken, Käfer und weitere Tiere. Besonders auffällig waren die Blüten des sogenannten Panama-Flammenbaums, die mit ihrer roten Farbe und ihrer röhrenförmigen Gestalt Kolibris als Bestäuber anlocken.
Die letzten Tage verbrachte die Gruppe im Naturschutzgebiet Limoncocha. Dort erkundete sie erneut den Wald und die Umgebung des Sees. Die Reisenden fanden verschiedene Frösche, Vogelspinnen und Insekten, darunter Tiere, die frische oder trockene Blätter täuschend echt nachahmten. Eine letzte nächtliche Kanufahrt führte zu einer besonderen Begegnung mit Kaimanen. Einen kleineren Kaiman fing der örtliche Führer Mauricio für kurze Zeit, damit die Gruppe ihn fotografieren konnte, und setzte ihn anschließend wieder in den See zurück. Für die Heimreise nahm die Gruppe natürlich keinen echten Kaiman mit, sondern einen aus Holz geschnitzten Kaiman als Andenken. Da er nicht in den Koffer passte, musste man vor dem Rückflug seinen Schwanz kürzen. Mit dieser humorvollen Episode endete der Vortrag über die dreiwöchige Reise durch Ecuador.
